Ausstellung vom 03.12.2020 bis zum 27.02.2021

"Spurensuche" zeigt Arbeiten des verstorbenen Berliner Malers Hjalmar Thelen. Sie werden von Fotografien derselben Motive gespiegelt, die seine Schwester Kirsten nach dem Tod des Bruders auf der Suche nach den Vorbildern seiner Werke anfertigte.

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Hjalmar Thelen
Fotografie Kirsten Thelen

Die Ausstellung "Spurensuche" zeigt neben Bildern des Berliner Malers Hjalmar Thelen auch Fotografien seiner Schwester Kirsten Thelen, die die realen Vorbilder der expressiven malerischen Interpretationen des Bruders zeigen. Diese Vorbilder zu finden, war indes nicht einfach. Thelen starb Anfang 2017, und obwohl er viel über seine Malerei sprach, gezeigt hatte er seine Arbeiten praktisch nie. So stellte sich erst bei Auflösung seiner Wohnung heraus, wie umfangreich und vielfältig sein Werk war: Rund 2500 Arbeiten fanden sich in seinem Nachlass - Stillleben, Porträts, Landschaften. Das meiste undatiert und ohne Hinweise auf die dargestellten Motive.

Bei den Landschaftsbildern und Stadtansichten drängten sich Schwester Kirsten Fragen förmlich auf: Was hat er da gemalt? Wo ist das? Wie finde ich diese Motive? Sie wusste, dass er vor allem zu Fuß und mit dem Fahrrad in Berlin unterwegs war, am liebsten am Wasser entlang und bewaffnet mit Feldstaffelei und Farben. Und so machte sie es ihm einfach nach: Mit Fahrrad und Fotoapparat folgte sie den Kanälen und Flüssen der Hauptstadt. Und entdeckte überraschende Perspektiven, ungewöhnliche Ansichten und erstaunliche Einblicke, die viel über den Blick eines Malers auf seine Welt verraten.

Zur Person: Hjalmar Thelen (*11.12.1962) wuchs in Frankfurt am Main auf. 1983 zog er nach West-Berlin, wo er sich nach Zwischenstationen als Comedian und Conférencier schließlich ganz der Malerei widmete. Das nötige Handwerkszeug erarbeitete er sich sowohl autodidaktisch als auch durch den Besuch der Kunstschule Berlin und privaten Unterricht bei Wulff Sailer. Als Nonkonformist und typischer Vertreter der Westberliner Bohème der 1980-er und 90-er Jahre, wollte er sich nicht dem etablierten Kunstbetrieb anpassen.

Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit einfachen Arbeiten in Dönerbuden, als Bäckereiverkäufer und Putzmann, womit er gerade genug Geld verdiente, um auf bescheidenstem Niveau im Berliner Wedding in einer Hinterhauswohnung mit Kohleöfen zu leben.

Kirsten Thelen (*22.01.1962) lebt in Wiesbaden. Die promovierte Biologin betreibt ein Labor für DNA-Analysen und ist als Sachverständige u.a. für das Amtsgericht Wiesbaden tätig. Nach dem Tod Hjalmars hat sie die Pflege und Verwaltung seines Nachlasses übernommen.

Die Ausstellung kann in Kleingruppen von maximal fünf Personen & dem Künstler oder einem Galeriemitglied während der Öffnungszeiten des Justizzentrums besucht werden.

Kontakt bitte über die E-Mail-Adresse galeriejustizzentrum@vg-wiesbaden.justiz.hessen.de aufnehmen.